Herzlich Willkommen auf der Homepage von Radprofi Christian Koglbauer

Lombardei

04.10. - 08.10.2007

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Unser Saisonabschluss 2007 führte uns nach Italien in die Lombardei. Am ersten Tag gings zeitig in der Früh in Tirol los. Wir fuhren mit dem Auto über den Reschenpass, am Reschensee entlang. Berühmt ist dieser See für seinen Kirchturm, der mitten aus dem See ragt. Es handelt sich hierbei um die Reste der Kirche von dem Dorf Graun. Bei der Seestauung 1950 wurde der gesamte Ort in den Fluten des Stausees versenkt.

Weiter gings dann Richtung Prad am Stilfserjoch, der erste Berg, den wir bezwingen wollten. Das Stilfserjoch ist mit 2758m der zweithöchste asphaltierte Alpenpass. Er verbindet die Lombardei mit Südtirol. Die Ostseite von Prad, welche wir unter die Räder nahmen, ist rund 27,5 km lang und dabei ist ein Höhenunterschied von 1970m zu überwinden, bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,2%. Ich benötigte dafür rund 1 Stunde 40 Minuten. Mein Vater war rund 30 Minuten langsamer, aber er hatte ja mit dem Rucksack auch schwer zu schleppen. Denn oben brauchten wir schon etwas zum Überziehen, denn wir hatten ja bereits Oktober. Auch wenn es ein strahlend schöner Tag war hatte es sicher nicht mehr als 5° Celsius. Wir hielten uns nicht lange oben auf und machten uns auf den Weg hinunter. Wir nahmen dabei den Weg über den Umbrailpass hinüber in die Schweiz. Dieser führt teilweise über Schotterstrassen. Unten im Tal liegt der kleine Ort Santa Maria Val Müstair. Von dort fuhren wir hinauf auf den Passo Fourn (Ofenpass), der auf einer Seehöhe von 2149m liegt. Er ist nicht besonders steil, aber mit dem Stilfserjoch in den Beinen ist schon jeder Hügel schwer. Dann stand uns eine lange Abfahrt bevor, hinunter nach Glurns und weiter nach Prad, wo wir unser Quartier hatten.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Auto über das Stilfserjoch. Das Wetter war deutlich schlechter als tags zuvor. Weiter gings Richtung Bormio wo auch die Sonne wieder kam. Wir parkten mit dem Auto in Grosio. Wir wollten den Mortirolo bezwingen. Ein mörderischer Berg, der unter Radfahrern sehr gefürchtet ist. Selbst ein Lance Armstrong hat vor diesem Berg einen Riesenrespekt. Leider wurde daraus nichts, denn an diesem Tag fand gerade eine Autorally auf dem Berg statt. Also Planänderung! Wir radelten weiter nach Tirano und dann hinauf auf den Berninapass. Obwohl dieser Pass nicht sonderlich steil ist zieht er sich doch ziemlich bis nach oben. Immerhin sind vom Tal in Tirano bis zur Passhöhe ca.1900 Höhenmeter zu überwinden, verteilt auf eine Länge von rund 32 km. Oben hatten wir einen herrlichen Blick über die Bergwelt des schweizer Kantons Graubünden. Danach machten wir kehrt und zweigten kurz unterhalb des Passes links Richtung Livigno ab. Hinauf gings auf den Pass Forcola di Livigno. Da wir uns ja schon auf einer Höhe von rund 2000 Metern befanden - ein relativ kurzer Pass von rund 4 km Länge und nicht einmal 300 Höhenmetern. Diese Strasse führte uns hinunter nach Livigno, was wir aber nicht ganz erreichten. Denn es war schon relativ spät und wir hatten noch einen langen Weg retour, also machten wir kehrt. Wir fuhren also zurück auf den Forcola di Livigno hinüber in die Schweiz und hinunter nach Tirano, wo wir wieder nach Italien kamen. Die Grenze überquerten wir heute viermal. Kurz bevor die Dunkelheit über uns hereinbrach erreichten wir wieder Grosio, wo unser Auto (gott sei dank noch immer) parkte.

Als wir alles verstaut hatten machten wir uns auf den Weg in Richtung Sondrio, weiter nach Morbegno bis hin zum Comer See. Dort suchten wir uns eine Unterkunft. Es war schon sehr spät geworden und zum Glück fanden wir in Bellano eine Unterkunft, denn wir wollten nicht im Auto übernachten.

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf die Spuren der Radprofis. Wir fuhren unsere eigene Lombardeirundfahrt. Wir stiegen in Bellano in den Kurs ein. (Das Rennen ging 2 Wochen später direkt an unserem Hotel vorbei.) Die Profis haben dort schon rund 130 km in den Beinen. Danach gings weiter in Richtung Süden nach Lecco, weiter nach Onno und dann hinauf zur Madonna del Ghisallo. Die Madonna wird seit 1949 als Schutzpatronin der Radrennfahrer verehrt. Ein 2006 eröffnetes Museum ist dem Radsport gewidmet. Hier sind unter anderem Räder berühmter Radsportler der Geschichte ausgestellt, wie jenes von Francesco Moser oder Gino Bartali. Auch jenes von Fabio Casartelli, der während der Tour de France 1995 auf der Abfahrt vom Col de Portet d´Aspet in den Tod gestürzt ist. Aber auch unzählige Weltmeistertrikots hängen an den Wänden. Dann fuhren wir weiter nach Como, wo für die Profis das Ziel ist. Wir aber mussten noch die komplette Westseite des Sees zurückradeln. Zeit lassen durften wir uns nicht zuviel, denn die hatten wir nicht. Knapp vor Sonnenuntergang kamen wir nach 188 km und einer Fahrzeit von 7 Stunden 20 Minuten wieder in Bellano an.

Am letzten Tag hatten wir noch mal ein Riesenprogramm vor uns. Heute war der Mortirolo an der Reihe. Diesmal ohne Autorally. Wir parkten unser Auto in Mazzo di Valtellina. Dort beginnt die Steigung. Dieser Pass steht oft am Programm des Giro d´Italia. Er wird dabei eigentlich immer von Mazzo aus in Angriff genommen. Die Streckenlänge beträgt 12,6 km und rund 1300 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Die Profis fahren ihn in ca. 45 bis 47 Minuten.

Meinem Vater gab ich rund 15 Minuten Vorsprung, dass sollte sich für mich ausgehen. Unten hinein geht ein schmales Sträßchen, das noch nicht ganz so dramatisch ist. Doch schon bald, kurz nach dem Ortsende von Mazzo, nimmt die Steigung erheblich zu und schon ist man drin in einem der schwersten Passanstiege der Alpen. Die Steigung fällt fast nie unter 10%, die Spitzen liegen bei rund 20%. Die ersten 10 km sind umgeben von meist dichtem Waldbewuchs. Erst auf den letzten 2 km, wo die Baumgrenze erreicht ist, nimmt auch die Steigung etwas ab. Ich komme als erstes oben an und drücke meine Stoppuhr bei 1 Stunden exakt ab – Maßarbeit! Meine durchschnittliche Leistung betrug laut SRM 326,6 Watt. Später kam auch mein Vater keuchend aber zufrieden mit seiner Zeit oben an. Er benötigte rund 1 Stunde 25 Minuten. Auf der Passhöhe steht neben einem alten Passschild nur ein Bergwertungsanzeiger vom Giro, ansonsten ist man allein mit sich und der Natur. Es gibt keine Souvenierstände, gar nichts. Touristisch ist der Pass nicht erschlossen. Wir sahen während der ganzen Fahrt kein einziges Auto. Lediglich unter Radsportlern ist der Berg berühmt. Dann fuhren wir zurück zu unserem Auto. Doch jetzt kommt´s – ich bezwang den Mortirolo noch ein zweites Mal – weil´s gar so schön war. Nachdem ich von mir und dem Berg ja jetzt keine Fotos hatte, diese aber gerne gehabt hätte, fuhr (besser gesagt kroch …) ich einfach noch mal hoch. Nachdem Papa sein Rad verstaut hatte folgte er mir und begann mit der Fotosession. Das war schon brutal, 2 mal Mortirolo, dass macht mir so schnell keiner nach. Nach 1 Stunde 23 Minuten kam ich halb tot wieder oben an. Diesmal mit 228 Watt im Schnitt. Oben trafen wir dann einen weiteren Radfahrer, einen Italiener, der ein bisschen Deutsch konnte. Ich weiß nicht, aber ich glaube das mit 2 Mal Mortirolo hat er mir nicht ganz abgenommen …

Eigentlich wollte ich ja noch den Gaviapass fahren. Von der Kraft her wäre es schon noch gegangen. Aber es war schon spät am Nachmittag, wir mitten in Italien und wir wollten aber an diesem Tag noch Richtigung Heimat losfahren. Also sparte ich mir den Gavia für das nächste Mal auf.

Wie fuhren über den Passo Tonale Richtung Bozen und Meran über den Brenner hinüber nach Österreich. Am nächsten Tag um 2 Uhr früh waren wir wieder daheim.

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