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Ende Juli 2009 fuhr ich mit meinem Vater nach Antwerpen (Belgien). Er nahm dort am Half-Ironman 70.3 teil. Er wollte sich für die Weltmeisterschaften in Clearwater (Florida), welche im November stattfinden, qualifizieren. Nach einer ungefähr 11-stündigen Fahrt waren wir in Antwerpen angekommen. Nach einer kleinen Irrfahrt durch die Stadt fanden wir schließlich doch noch unser Hotel. Das Hotel Cammerporte liegt im Zentrum der Stadt, nicht weit vom Grote Markt, dem Zentrum, entfernt. Preislich OK und mit einem guten Service kann ich es nur weiterempfehlen. Schnell waren die Koffer ausgepackt und wir erkundeten zu Fuß die Stadt. Zuerst gingen wir hinunter zur Schelde, dem Fluss welcher sich durch die Stadt schlängelt. Anschließend ging es weiter zum Grote Markt. Übersetzt bedeutet das, nehme ich an, Großer Markt. Hier spielt sich das ganze Leben Antwerpens ab. Neben den typischen alten schmalen Häusern steht hier auch das Rathaus und gegenüber die Kathedrale. Wir haben entdeckt, dass die Belgier allem Anschein nach sehr gerne Pizzas essen. Hier wechselt sich ein Souvenierstand mit einer Pizzeria ab. Geschätzte zwanzig Pizzerias gab es rund um den Grote Markt. Da konnten wir dann auch nicht widerstehen …
Am folgenden Tag nahm ich mir vor weite Teile der Flandernrundfahrt der Profis nachzufahren. Zu Hause hatte ich mir schon einen detaillierten Streckenplan runtergeladen und wollte so die Strecke möglichst genau nachfahren. Eingestiegen bin ich vor dem ersten der ca. 17 Hellinge, dem Molenberg. Hellinge werden in Belgien die kurzen und giftigen Anstiege, meist mit Kopfsteinpflaster, genannt. Die Anzahl variiert von Jahr zu Jahr etwas. Trotz Plan fanden wir nicht mal den Molenberg. Es war extrem schwierig die Strecke nachzufahren. Mein Vater fuhr immer mit dem Auto voraus um die Gegend etwas zu erkunden. Das Problem warm dass die Strecke unvermittelt irgendwo rechts oder links abbiegt, hinein in einen schmalen Feldweg. Wenn man diese Abzweigung versäumt, tja dann war´s das mit dem der Strecke nachfahren. Man bewegt sich während einem Großteil der Flandernrundfahrt auf einem Gebiet von nur wenigen Quadratkilometern. Hier wird jeder auch noch so kleine gepflasterte Feldweg befahren. Unmöglich die richtige Strecke zu finden. Dann bemerkten wir, dass alle paar Kilometer am Straßenrand entweder ein blaues, grünes oder oranges Hinweisweisschild stand, welches für die verschiedenen Radrouten stand. Ich folgte einfach mal den blauen Schildern. Nach rund 80 km war ich in Oudenaarde angekommen. Hier befindet sich ein großes Museum von Eddy Merckx. Dort erfuhren wir dann, dass es 3 Routen gibt, die alle zusammen die Flandernrundfahrt bilden. Alle 3 starten in Oudenaarde. Wenn man sie alle fährt hat man alle Hellinge und Kasseien (Kopfsteinpflasterpassagen) bewältigt und obendrein 260 Kilometer am Tacho stehen. Das war mir dann für einen Tag doch zu viel. Aber die orange Route nahm ich trotzdem noch unter die Räder. Denn auf der Route befanden sich die bekanntesten Hellinge der Flandernrundfahrt. Es ging über den Oude Kwaremont, den Paterberg, Steenbeekdries, Kluisberg, Eikenberg und natürlich den berühmt berüchtigten Koppenberg und noch über einige andere. Den Paterberg schaffte ich erst im zweiten Anlauf. Er war einfach irrsinnig steil. 20 Prozent sind angegeben, dazu kommt noch das grobe Kopfsteinpflaster mit Zwischenräumen von einer Reifenbreite. Man hüpft von einem Stein zum anderen. Wenn man einmal ins Trudeln gerät ist es vorbei, dann kann man nur mehr abspringen. Die beste Technik ist - glaub ich zumindest - im Sitzen zu fahren und die Steine so zu nehmen wie sie kommen, einfach aufs Pedal draufdrücken und drüber. Wenn man anfängt einen Weg zu suchen ist es schon vorbei. Der Paterberg ist mit 360 Metern Länge einer der kürzeren Anstiege. Der Oude Kwaremont mit 2500 Metern einer der Längsten, dafür hat er nur 11 Prozent. Leider hat mich dann der Koppenberg in die Knie gezwungen. Auch beim dritten Versuch scheiterte ich an den 22 Prozent mit einer Länge von über 600 Metern und konnte ihn nur zu Fuß bewältigen. Das Heimtückische am Koppenberg ist, dass er immer steiler und steiler und steiler wird. Man fährt schon im roten Bereich und er wird noch steiler und man kann sich nicht vorstellen, dass hier jemand hochfahren kann. Der Paterberg hingegen stellt sich nach einem Flachstück direkt vor dir auf und du investierst einfach alle Kraft um hoch zu kommen, noch dazu ist er um die Hälfte kürzer. Aber macht nichts, auch die Profis unternehmen hier jedes Jahr „Fußmärsche“ hinauf. Nach der orangen Runde haben wir mein Rad im Auto verstaut und sind damit bis kurz vor Geraardsbergen gefahren. Mit dem Rad wäre es sich zeitlich nicht mehr ausgegangen, denn die Sonne stand schon sehr tief. Dort stieg ich dann wieder auf. Denn die Mauer von Geraardsbergen, auch Muur Kapelmuur genannt, ist neben dem Koppenberg das Highlight der Flandernrundfahrt, den Berg musste ich einfach noch fahren. Hier beginnt jedes Jahr das Finale bei der Flandernrundfahrt. Denn von hier ist das Ziel nur noch 16 km entfernt. Wer hier solo oben ankommt, hat oft schon das Rennen gewonnen. Dieser Berg hat an seinen steilsten Stellen zwar auch 20 Prozent aber die sind nicht sehr lang. Oben am Gipfel steht die berühmte kleine Kapelle, die wahrscheinlich viele von euch kennen. Es war einfach geil hier hochzufahren und darum tat ich dies auch gleich ein paar Mal. Anschließend fuhr ich noch weiter zum Bosberg, welcher immer der letzte Berg vor dem Ziel in Ninove ist. Ein fantastischer Tag ging zu Ende. Am Tacho standen 188 Kilometer, ich hatte dutzende Kilometer Kopfsteinpflaster bewältigt und meine Unterarme und Finger fielen mir fast ab von der stundenlangen Rüttelei. Wir packten zusammen und fuhren zurück nach Antwerpen.
Am nächsten Tag ließ ich das Rad mal stehen. Wir fuhren mit dem Auto hinüber in die Niederlande und machten dort etwas Sightseeing.
Am Sonntag stand für meinen Vater dann der Ironman 70.3 am Programm. Dabei mussten die Teilnehmer 1,9 Km Schwimmen, 90 Km Radfahren und 21 Km laufend zurücklegen. In der Früh schüttete es in Strömen. Für meinen Vater war das weniger dramatisch, er wünschte sich sogar schlechtes Wetter. Für mich als Zuschauer war es schon um einiges schlimmer. Ich schaute mir das Schwimmen an und wartete bis alle auf´s Rad gestiegen waren. Jetzt dauerte es 2 Stunden bis die ersten wiederkamen. Zeit für mich ins Hotel zurückzugehen und mich umzuziehen, denn ich war mittlerweile patschnass. Im Laufe des Tages kam dann doch noch die Sonne zum Vorschein. Nach 2 Stunden 20 Minuten war mein Vater vom Radfahren zurück. Eine sehr gute Radzeit, hätte ich ihm nicht zugetraut. Aber er war ja auch mit meinem Zeitfahrrad unterwegs, dass läuft schon extrem gut, aber treten muss man trotzdem. Nach einem soliden Halbmarathon von 1h 42min kam er mit einer Spitzenzeit von 4h 48min ins Ziel. Er erreichte damit leider nur den undankbaren 4. Platz in seiner Altersklasse. Sein Ziel war die Qualifikation für die im November in Florida stattfindenden Weltmeisterschaften. Noch wusste er es nicht ob es mit dieser Platzierung reichte, denn es gab nur 2 Qualiplätze. Die Vergabe der Plätze fand am Abend im Rathaus statt. Er hatte es geschafft. 2 der vor ihm Platzierten verzichteten auf ihre Startplätze und so reichte meinem Vater ein 4. Platz für die WM-Quali. Die Freude war natürlich riesengroß.
Am nächsten Tag ging es leider schon wieder nach Hause. Nach einer kurzen Rundfahrt durch den Containerhafen von Antwerpen fuhren wir über Luxemburg weiter nach Deutschland und Österreich.
Unser Hotel